Der Bodenkampf im MMA Teil 1: Vom Ringen bis zum BJJ

grappling

Der komplexe MMA Sport setzt sich neben dem Standkampf, der aus Tritten und Schlägen besteht, auch aus dem Bodenkampf zusammen. Nahezu jeder Kampf landet durch eine Wurftechnik auf dem Boden. Dort wird versucht den Gegner durch Grifftechniken zur Aufgabe zu zwingen. In allen gängigen Bodenkampfsportarten wird dies als Submission, die Aufgabe durch Grifftechnik bezeichnet. Anfänger ohne Vorkenntnisse im Bodenkampf können sich dabei nicht vorstellen wie ein Gegner ohne Schläge besiegt werden soll. Doch genau das ist die Kunst des Bodenkampfes.

Folgend findet ihr eine Zusammenfassung der wichtigen Informationen rund um die gängigsten Bodenkampf-Konzepte. Dabei bilden das Ringen, Judo, sowie BJJ die übergeordneten Kampfsportarten. 

Zum Thema Grappling, Luta Livre & Sambo haben wir hier ein Artikel verfasst.

Die olympische Disziplin Ringen

Ringen ist eine der ältesten Kampfsportarten der Menschheit. Bereits 3000 Jahre v. Chr., wurde es in vielen Teilen der Welt praktiziert. Die ersten Aufzeichnungen des Ringkampfes stammen aus den ägyptischen Tempelgräbern. Im Jahre 708 v. Chr. wurde das Ringen, damals noch Pale genannt, in die olympische Spiele der Antike aufgenommen und war die Entscheidungsdisziplin des Fünfkampfes.

Heute unterscheidet man zwischen zwei Arten des Ringkampfes:

  1. Freistilringen
  2. Griechisch – Römischen Stil (Greco-Roman Wrestling).

Während beim Freistilringen der gesamte Körper angegriffen werden darf, erlaubt das griechisch-römische Ringen nur Angriffe auf den Oberkörper. Gekämpft wird bei beiden Arten auf einer gepolsterten Matte von ca. 7 bis 9 m Durchmesser. Ziel ist es innerhalb der Kampfzeit den Gegner mit beiden Schultern auf den Boden zu bringen, dies wird als Schultersieg bezeichnet. Weiterhin versucht man mit verschiedenen Aktionen mehr Punkte zu sammeln, als sein Gegner. Der Einsatz von Schlägen, Tritten, Stößen und Würgern ist dabei verboten. Erlaubte Techniken sind, Werfen, Schleudern und Hebeln.

Der sanfte Weg des Judo

Judo bedeutet zu Deutsch „der sanfte Weg“ und ist eine aus Japan stammende Kampfsportart. Um 1880 wurde Judo von dem Japaner Dr. Jigoro Kano aus verschiedenen Stilen entwickelt. Es wird dabei wie beim Ringen auf Elemente wie Schläge, Stöße, Tritte und einige Hebeltechniken verzichtet. Populär wurde Judo nach 1886, als Schüler von Dr. Kano im Wettkampf gegen eine der angesehensten Jiu-Jitsu-Schulen Japans gewannen. Judo verbreitete sich angesichts des Erfolges rasch in ganz Japan und wurde bei der Ausbildung von Polizei und Militär eingeführt. 1911 wurde Judo zum Pflichtfach an allen Mittelschulen Japans. Die Techniken des Judos lassen sich in vier Grundtypen einteilen:

  1. Wurftechniken
  2. Falltechniken
  3. Bodentechniken
  4. Formen, auch Katas genannt.

Beim Judo-Wettkampf kann man, ähnlich wie auch beim Boxen, durch „K.O.“ gewinnen, indem man den Gegner durch Würfe kraftvoll auf den Rücken bringt. Eine andere Möglichkeit den Kampf vorzeitig zu beenden ist den Gegner zum Aufgeben zu zwingen. Dies wird durch verschiedene Aufgabegriffe getan, die einen Schmerz bis hin zum Bruch verursachen können. In allen gängigen Bodenkampfsportarten wird dies als Submission, die Aufgabe durch Grifftechnik bezeichnet. Der Kampf wird nach Ablauf der 5 Minuten Runde, nach Wertung oder Kampfrichterentscheid entschieden. Neben dem Ringen ist Judo die einzige weitere Bodenkampfsportart die seit 1964 als olympische Disziplin ausgeübt wird.

Die Geschichte der Gracies & des Brazilian Jiu-Jitsu – BJJ 

Die südamerikanische Variante Brasilien Jiu-Jitsu, kurz BJJ, entstammt dem japanischen Judo. Meister Mitsuo Maeda, ein bekannter Judo-Champion und direkter Schüler von  Dr. Kano, dem Gründer des Judos, brachte sein Wissen Anfang 1900 nach Südamerika. Zu dieser Zeit lebte Maeda in São Paulo und half eine japanische Emigrantenkolonie zu errichten. Bei seinem Vorhaben wurde er von Gastao Gracie unterstützt. Zum Dank lehrte Maeda dessen Sohn Carlos die Basistechniken des Judos. Carlos Gracie wiederum unterrichtete seine Brüder Oswaldo, Jorge, Gastao und Helio. In unzähligen Kämpfen konnten die Familie der Gracies und ihre Schüler die erlernten Techniken verbessern und aus den Judo-Techniken das BJJ entwickeln. 1925 eröffneten die Brüder ihre erste Schule und lehrten von nun an BJJ. Bei der Durchführung des BJJ Wettkampfes tagen die Kämpfer einen traditionellen Kampfanzug, welcher auch Gi genannt wird. 1967 wurde die erste Brazilian Jiu-Jitsu Federation von Helio Gracie gegründet und das Gürtelsystem eingeführt. Folgende Gürtel können noch heute errungen werden und sind aufsteigend vom Anfänger zum Meister aufgeführt:

  • Weiß
  • Blau
  • Lila
  • Braun
  • Schwarz

Der Wettkampf BJJ wird im Stand begonnen. Dabei wird versucht den Gegner zu Boden zu befördern und ihn dann in komplexen Grifftechniken zum Aufgeben zu bewegen. Der Kampf wird entweder durch Punkte oder durch die Submission entschieden. Weltweite Popularität erlangte BJJ Anfang der 1990 Jahre, als der eher schmächtige Royce Gracie, Enkel des Carlos Gracie,  den Ultimate Fighting Championships klar dominierte. Die UFC galt wie auch heute noch als Königsdisziplin des MMA Wettkampfes. Die Besonderheit und der wesentliche Unterschied lag damals dabei, dass es keine Gewichtsklassen und weniger Regeln als heute gab.

FAQ

Welcher Bodenkampf ist der beste für das MMA?

Jede der genannten Bodenkampf-Konzepte hat Vor- und Nachteile. So stehen im Ringen zum Beispiel die Aufgabegriffe im Hintergrund jedoch werden die Würfe und Übergänge zum Boden als die besten der Welt angesehen. Der komplexe MMA-Sport fordert von den Wettkämpfern das Üben aller Konzepte. Deshalb vereint das Grappling die wichtigsten Elemente fürs MMA.

Benötige ich eine bestimmte Ausrüstung zum Bodenkampf? 

Bei abrupten und schnellen Bewegungen kann es vorkommen, dass man Schläge oder Tritte abbekommt, auch wenn diese eigentlich von den Regeln ausgeschlossen sind. Daher empfehlen wir dir zum Bodenkampf einen Zahnschutz sowie einen Sackschutz. Handschuhe oder Bandagen brauchst du nicht.

Gewinnt ein Ringer oder ein BJJ Kämpfer einen Wettkampf?

Ob und welcher Kämpfer einer bestimmten Kampfsportart einen Zweikampf gewinnt, kann man nicht pauschalisieren. Es hängt grundlegend immer von der Expertise des Kämpfers an sich ab. Ein professioneller Ringer würde sicher gegen einen Anfänger im BJJ gewinnen und umgekehrt. Ein weiterer Aspekt sind die festgelegten Regelungen des Wettkampfes.

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